🌧 Die Jahre vergingen.
Der Krieg nahm, was er wollte – Dörfer, Träume, Männer.
Johann blieb fort.
Doch Elisabeth wartete.
Tag für Tag ging sie in den Wald, trug immer dasselbe Kleid aus rotem Samt.
Manchmal sprach sie mit dem Wind, als könnte er antworten.
„Johann… hast du dein Versprechen vergessen?“
Nur das Rascheln der Blätter antwortete.
Die Leute im Dorf begannen zu tuscheln.
„Die Schmiedstochter ist verrückt geworden,“ sagten sie.
Doch Elisabeth lächelte nur. „Er kommt zurück. Der Wind hat es mir gesagt.“
Jahre später, in einer Winternacht, als der Schnee lautlos fiel, hörte sie Schritte.
Diesmal keine Einbildung – echte, schwere Schritte auf dem Boden.
Sie trat hinaus, barfuß, das rote Kleid über dem Schnee.
Vor ihr stand ein Mann.
Alt, müde, ein Auge von Narben gezeichnet – aber jene Augen, diese Augen erkannte sie sofort.
„Johann?“ flüsterte sie.
Er nickte. „Ich bin zurück, wie ich es versprach.“
Sie wollte laufen, ihn umarmen – doch ihre Beine gehorchten nicht.
Tränen liefen über ihr Gesicht.
„Du hast so lange gebraucht,“ flüsterte sie.
Er trat näher. „Der Weg war lang. Aber dein Gesicht hat mich jeden Tag geführt.“
Dann fiel sie in seine Arme, und der Wind schwieg.
Am Morgen fand man nur Spuren im Schnee – zwei, die in den Wald führten, und keine, die zurückkehrten.
Und bis heute sagen die alten Leute im Dorf:
Wenn der Nebel über den Schwarzwald zieht, sieht man zwei Gestalten Hand in Hand gehen – eine Frau in Rot und einen Soldaten – und hört den Wind leise flüstern:
„Ein Versprechen, das selbst der Tod nicht brechen konnte.“