Der Abendwind wehte leise durch den Schwarzwald, trug den Duft von feuchter Erde und wilden Rosen mit sich.
Das Licht der Sonne sank langsam zwischen den Bäumen, und der Himmel glühte in Rot und Gold.
Elisabeth ging auf dem kleinen Pfad entlang, den sie seit ihrer Kindheit kannte.
In ihrer Hand hielt sie ein altes Buch – ein Geschenk ihrer Mutter –, doch ihre Gedanken waren weit fort, irgendwo zwischen Sehnsucht und Träumen.
Sie liebte die Stille des Waldes.
Nur dort fühlte sie sich frei.
Doch an diesem Abend war etwas anders.
Ein Knacken – Schritte hinter ihr.
Sie blieb stehen, drehte sich langsam um.
Ein Mann trat aus dem Schatten der Bäume.
Er war groß, trug eine alte Uniform, das Gesicht vom Staub der Reise bedeckt.
Seine Augen – dunkel und voller Tiefe – blickten sie an, als hätten sie sie schon lange gesucht.
„Verzeiht, Fräulein,“ sagte er mit einer Stimme, die zugleich müde und warm klang.
„Ich wollte Euch nicht erschrecken.“
„Ihr seid ein Soldat?“ fragte sie leise.
Er nickte. „Mein Name ist Johann. Ich komme aus Hessen. Ich reise nach Süden – doch dieser Wald hat mich zum Bleiben verführt.“